Basisstufe

B.3) Was versteht man unter der Kartierung und Bewertung von Ökosystemleistungen?

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Lernziele

  • Kenntnis der Kartierung und Bewertung von Ökosystemleistungen
  • Verständnis von Indikatoren für Ökosystemleistungen
  • Kenntnis von Bewertungsmöglichkeiten

Was ist die Kartierung und Bewertung von Ökosystemleistungen (MAES)?

Untersuchungen, Studien und Analysen zu Ökosystemleistungen reichen nicht aus, wenn wir sie in das Umweltmanagement und in die Planung territorialer Entwicklung integrieren wollen: In diesen Fällen ist eine Bewertung von Ökosystemleistungen erforderlich. Unter Bewertung versteht man hierbei die Analyse und Überprüfung der aus der Forschung gewonnenen Informationen, um Verantwortliche dabei zu unterstützen, Probleme zu erkennen und mögliche Maßnahmen zu initiieren. Bewertung bedeutet weiterhin, vorhandenes Wissen zu sammeln, zusammenzufassen, zu organisieren, zu interpretieren und ggf. in Einklang zu bringen und auf eine Weise zu kommunizieren, dass es für einen ggf. fachfremden Entscheidungsträger relevant und hilfreich ist.
Eine erfolgreiche Bewertung berücksichtigt die Mehrdimensionalität der Ökosystemleistungen inklusive ihrer Wechselwirkungen mit sozial-ökologischen Systemen. Die gegenseitige Abhängigkeit der Ökosystemleistungen lässt sich am Beispiel der Landwirtschaft zeigen. Intensive landwirtschaftliche Praktiken zur Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung haben zur Verarmung der landwirtschaftlichen Flächen und zum Verlust der biologischen Vielfalt geführt. Dies hat Auswirkungen auf Regulierungsleistungen wie die Bodenbildung, den Schutz von Genpools und bestimmte kulturelle Leistungen.

Auf der anderen Seite bedeutet die Kartierung von Ökosystemleistungen die Erstellung einer kartografischen Darstellung von Ökosystemleistungen in einem bestimmten geographischen Raum und einem bestimmten Zeitraum.  Die Kartierung ist eine Methode, um die aus dem Bewertungsprozess gewonnenen Informationen unter anderem Entscheidungsträger_innen und Interessensvertreter_innen visuell zugänglich zu machen. Diese visuelle Darstellung kann durch Indikatoren erfolgen.

Je nach Umfang und Ausmaß der Informationen kann auch eine bildliche Darstellung (Grafiken, Diagramme) ausreichen.

Die Indikatoren der Ökosystemleistungen

Ein wichtiger Schritt zur Integration von Ökosystemleistungen in die Entscheidungsfindung ist es, deren Zustand, Trends und Änderungsrate explizit zu identifizieren und zu messen. Um diese verschiedenen Arten von Ökosystemleistungen zu bewerten und Informationen über ihre Eigenschaften und Trends effizient zu kommunizieren, werden Indikatoren verwendet.

Ein Indikator ist eine quantitative Größe, die ein komplexes System oder Phänomen darstellt.

In unserem Fall werden Indikatoren verwendet, um den Zustand und die Trends von Ökosystemen und die Erbringung von Ökosystemleistungen innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls zu überwachen.

Aufgrund der Mehrdimensionalität von Ökosystemleistungen, können biophysikalische, ökonomische und soziale Indikatoren für ihre Messung verwendet werden. Biophysikalische Einheiten werden zur Messung von Größen oder Eigenschaften verwendet, die in direktem Zusammenhang mit Ökosystemstrukturen, Prozessen und Funktionen stehen. Zwei Beispiele sind die Menge des Wasserabflusses aus Einzugsgebieten oder die Menge an Stickstoff, die vom Ökosystem gefiltert wird. Andererseits werden Indikatoren mit ökonomischen und sozialen Einheiten hauptsächlich dazu verwendet, den Nutzen und die Werte zu quantifizieren, die der Mensch von Ökosystemen erhält, wie z.B. der monetäre Wert eines bestimmten Ökosystems für den Tourismus oder die Erholung im Freien.

Diese Beispiele zeigen, wie Indikatoren die Bewertung eines komplexen Systems vereinfachen und dessen grafische oder räumliche Darstellung ermöglichen. Durch die Berechnung und Analyse von Ökosystemleistungsindikatoren im Zeitablauf können wir Trends in komplexen ökologischen Prozessen verstehen und eine nachhaltige Entwicklung überwachen.

Verschiedene Arten der Bewertung von Ökosystemleistungen

Je nach Art der Ökosystemleistungen und weiteren Kriterien wie zum Beispiel zeitliche und finanzielle Ressourcen, sind unterschiedliche Bewertungen der Ökosystemleistungen möglich. In allen Fällen geht es jedoch darum, Informationen für die Erstellung geeigneter Indikatoren zu gewinnen. Im Folgenden werden die drei Arten der Bewertung vorgestellt:

Biophysikale Bewertung

Im Rahmen der biophysikalischen Bewertung können Indikatoren von Ökosystemleistungen durch direkte und indirekte Messungen sowie durch Modelbetrachtungen quantifiziert werden.

  • Die direkte Messung von Ökosystemleistungen erfolgt durch die Bewertung physikalischer Einheiten, die den Einheiten des Indikators entsprechen, z.B. die Messung der aus Grundwasserschichten entnommenen Wassermenge (Wasserversorgung).
  • Die indirekte Messung verwendet Daten, die einer weiteren Interpretation, Kombination, Modelbildung, Annahmen oder Verarbeitung bedürfen. Typische Datenquellen sind Fernerkundungsdaten mit ihren abgeleiteten Produkten wie Vegetationsindizes, Oberflächentemperatur, Klassifizierungen der Bodenbedeckungen usw. Als Beispiel lässt sich aus expliziten Mustern der Oberflächentemperatur eine lokale Klimaregulierung ableiten.

Soziokulturelle Bewertung

Soziokulturelle Bewertung bezieht sich auf den Beitrag von Ökosystemleistungen nicht nur zum monetären Nutzen sondern auch zu gesellschaftlichen Fragen in Bezug auf kulturelle, therapeutische, künstlerische, inspirierende, erholsame, erzieherische Werte usw. Es gibt verschiedene Methoden und einige Beispiele sind im Folgenden aufgeführt:

  • Die Präferenzbewertung erfolgt durch Interviews, Einstufungsübungen und Szenarienauswahl von Maßnahmen, welche die Ökosystemleistungen beeinflussen und das Wissen und die Wahrnehmung von Individuen analysieren.
  • Die Auswertung von (georeferenzierten) Fotografien kann durch Übertragung individueller visueller Erlebnisse den Wert einer Ökosystemleistung beschreiben.
  • Die partizipative Kartierung, auch PGIS (partizipatives GIS) genannt, stellt einen Rahmen dar, zu dem verschiedene Akteure mit ihren Informationen über den Standort und die Qualität bestimmter Ökosystemleistungen beitragen können.
  • Die Szenarienplanung kombiniert verschiedene Methoden, um die Zusammenhänge zwischen alternativen Zukunftsaussichten, Änderungen in den Ökosystemleistungen und dem menschlichen Wohlbefinden aufzuzeigen.

Fachliche Bewertung

Die Wissenschaft der Ökosystemleistungen liegt zwischen den Wissenschaften der angewandten Ökologie, Ökonomie, nachhaltigem Ressourcenmanagement und den Sozialwissenschaften. Diese Kombination ist komplex und es lohnt sich, Experten/Expertinnen mit Erfahrung in der transdisziplinären Arbeit einzubinden. Außerdem kann deren Konsultation Datenlücken überbrücken oder ersetzen. Auf diese Weise können Ergebnisse mit einem Minimum an Ressourcen und Finanzen vergleichsweise schnell erzielt werden. Darüber hinaus erhöht die Einbeziehung von Fachleuten die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse.

Der Einsatz von Experten/Expertinnen erfolgt auf mehreren Ebenen. Während der Planungsphase werden Ziele für die Kartierung, Karten und deren Anwendungen festgelegt. Mit der Methodenauswahl und dem Design werden die technischen Aspekte der Bewertung festgelegt. Die Erstellung zuverlässiger Karten gewährleistet die Transparenz, Lesbarkeit und Interpretierbarkeit der zu erstellenden Karten. Die Anwendung und Umsetzung werden von den miteinbezogenen Fachkräften entsprechend den gesetzten Zielen getestet.